Warum können wir Mütter uns nur so schwer von unser Tochter lösen?

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ausführlich über die besondere Beziehung von Müttern und Töchtern geschrieben. Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht mehrere Gründe, die die besondere Verbindung erklären. Doch auch energetisch wirken wir extrem aufeinander. Wenn jedoch die Magersucht in unser Leben tritt verstärkt sich die „Anziehung“ um ein Vielfaches. Ich habe schon so oft von meinen eigenen Erfahrungen berichtet, wie ich diese Situationen selbst erlebt habe. Wie ich mich jedes Mal aufs Neue wieder in diese Magersuchtsblase hab hineinziehen lassen. Gutgemeinte Ratschläge wie:“ Michaela, du musst sie loslassen.“  Oder „Steigere dich nicht so hinein“, prallten an mir ab wie Wellen an der Hafenmauer. Ich fühlte mich unverstanden und verletzt. Denn Niemand konnte sich in mich hineinversetzen. Niemand wusste wie ich wirklich fühlte. Und so blieb ich alleine mit mir, meinen Gefühlen, unserer Tochter und der Magersucht. Sicher eingehüllt und umschlossen in diesem Kokon. Ein sicherer Ort, den wir uns geschaffen haben. Ein Ort, an dem wir uns auf einander verlassen konnten. Wir reagierten aufeinander. Es war ein ständiges Ping Pong. Wir warfen uns sozusagen die Bälle zu und litten. Jede für sich und doch gemeinsam. Rückwirkend betrachtet sehe ich mit so viel Klarheit und Weisheit auf diese Zeit zurück. Ich habe rückwirkend verstanden, dass es einen ganz wichtigen Faktor gibt, der dafür verantwortlich ist, warum wir Mütter uns so schwer aus dieser Blase der Magersucht befreien können.

 

Wir Mütter geraten in die Co-Abhängigkeit

Co-Abhängigkeit beschreibt eine dysfunktionale Beziehung zwischen zwei Personen, bei der eine Person (der Co- Abhängige) versucht unfreiwillig Verantwortung für das Verhalten, die Entscheidungen und das Wohlergehen der anderen Person (dem Abhängigen) zu übernehmen oder dessen Probleme zu lösen, um sich selbst besser zu fühlen oder um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Co-Abhängige versuchen dem abhängigen Menschen zu helfen, indem sie finanzielle und emotionale Unterstützung bieten oder versuchen sie zu kontrollieren. Co-Abhängigkeit hat nicht nur einen großen Einfluss auf den Abhängigen, sondern auch auf den Co-Abhängigen und dessen psychische Gesundheit und seinen Selbstwert.

Es könnte sein, dass Du beim Lesen der Erläuterung schnell Widerstand in Dir gespürt hast und am liebsten gar nicht weiterlesen möchtest. Doch überwinde Dich und gib Dir die Chance Klarheit über Deine Situation zu erlangen.

Wir Mütter sind prädestiniert für diese Rolle

Wir Mütter einer an Magersucht erkrankten Tochter sind sozusagen prädestiniert dafür uns in die Co-Abhängigkeit zu begeben. Wir unterstützen unser geliebtes Kind um es aus dieser negativen Situation herauszuholen. Wir investieren sehr viel in diese Anstrengungen, weil wir diesen Zustand emotional nicht aushalten können. Es entsteht ein Ungleichgewicht in der Mutter Tochter Beziehung, weil die Tochter oft selbst nicht die Verantwortung für ihr Handeln übernimmt. Wir Mütter definieren uns sehr schnell über das Verhalten unserer Tochter, weil wir in der Regel im Herzen überangepasst sind. Wir haben gelernt, dass wir um anderen zu gefallen, bestimmte Erwartungen erfüllen müssen. Daraus resultiert, dass wir nicht gut in Kontakt zu unseren eigenen Gefühlen sind und deshalb in Empathie mit den Gefühlen unserer Tochter stehen. Wir sind häufiger mit der Aufmerksamkeit bei ihr als bei uns selbst. Wir können immer schwerer unsere eigenen Grenzen spüren. Wir fühlen nicht, wenn wir überfordert sind, wenn wir nicht mehr können, wenn es uns zu viel wird. Wir fühlen unseren eigenen Ärger und Wut nicht. Wir haben einen geringen Selbstwert, der durch diese Situation weiter abnimmt. Wir fragen uns, was wir falsch gemacht haben oder fühlen uns schuldig. Unbewusst generieren wir unseren Selbstwert durch unser Helfen und Unterstützen.

5 Anzeichen für eine Co-Abhängigkeit

  1. Es besteht eine Unausgeglichenheit von Geben und Nehmen. Wir Mütter sind unendlich engagiert. Wir geben alles in diese Situation, was uns zur Verfügung steht. Das Engagement der Tochter steht demgegenüber in keinem Verhältnis.

 

  1. Wir Mütter versuchen den Schein zu bewahren. Wir wollen unser Kind schützen um uns selbst zu schützen.

 

 

  1. Wir haben ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis und versuchen dadurch unsere Tochter zu heilen.

 

  1. Wir können unsere eigenen Wünsche und Interessen nicht mehr wahrnehmen. Wir erlauben uns den Raum dafür nicht. Wir opfern uns für unser Kind auf.

 

 

  1. Wir bekommen Anerkennung von unserer Tochter oder aus dem Umfeld. Wir leben „durch“ die Magersucht unserer Tochter und verfolgen nicht mehr unser eigenes Leben.

Daraus resultiert, die Angst vor Konflikten, die die Angst vor Ablehnung beinhaltet bzw. die Angst, dass es noch schlimmer werden könnte.

 

Wie komme ich da wieder raus?

Ich habe ja bereits mehrfach erläutert, dass der mütterliche „Knackpunkt“ der eigene Selbstwert ist. Das große Thema der Magersucht steckt auch in uns Müttern. Solange wir unseren eigenen Selbstwert durch die Krankheit unserer Tochter „aufpolieren“ und uns an unserem Kontrollbedürfnis aufreiben wird sich nichts ändern können. Auch der Gedanke, dass erst die Tochter gesund werden muss und danach immer noch Zeit für die eigene Arbeit ist, ist schlichtweg FALSCH. An diese Stelle passt wieder mein Lieblingssatz: ALLES BEGINNT BEI MIR! Und dem ist auch so. Beginne damit Deinen eigenen Selbstwert aufzubauen indem Du in Dich hineinfühlst. Dich wahrnimmst und Kontakt zu Deinen Gefühlen aufnimmst.

Stelle Dir Fragen:

  • Ist mir das vorherrschende Gefühl der Überanpassung aus meiner Kindheit bekannt?

 

  • Wie sehr belastet mich dieses Gefühl? Bei dieser Frage versuche Deine Grenzen zu spüren. Und frage Dich, bis wohin Du noch gehen willst? Durch diese Fragen wirst Du ein besseres Gefühl für den Zeitpunkt bekommen an dem Du NEIN sagen musst um Dich abzugrenzen.

 

  • Was bringt das eigentlich, was ich mache? Wie realistisch ist es, dass meine Tochter gesund wird, wenn ich so weiter mache?

 

  • Zu wieviel Prozent liegt es wirklich in meiner Verantwortung, dass mein Kind gesund wird?

 

  • Wie ehrlich ist unsere Beziehung eigentlich und wie ehrlich sind alle anderen Beziehungen, die ich führe? Welche Grundlage schaffe ich für Beziehungen, die ich führe?

Wenn Du Dir ehrlich diese Fragen stellst, sie auf Dich wirken lässt und dabei nicht krampfhaft nach Antworten suchst, sondern sie fühlst wird sich einiges in Dir bewegen. Vielleicht bist Du traurig, wütend oder erschrocken, verzweifelt oder sogar erleichtert. Alles darf sein und hat eine Berechtigung gefühlt zu werden. Sei mutig und ehrlich genug alles zuzulassen, was kommt.

 

In dem Moment, wo wir uns loslösen, sind wir nicht mehr angewiesen auf Abhängigkeiten und haben eine Basis geschaffen für eine Beziehung auf Augenhöhe. Eine Beziehung in der jeder für sich selbst die Verantwortung übernimmt. Die Verantwortung für seine eigene Heilung.

 

Von Herzen Danke, dass Du diesen Artikel gelesen hast. Vielleicht hast Du Fragen, die Dich selbst betreffen oder meine Arbeit. Du kannst mich über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion anschreiben oder meine Kanäle auf Social Media nutzen. Ich freue mich über jede Nachricht.

Herzlichst

Michaela

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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