Warum haben Mütter einen Anteil an der Magersucht ihrer Tochter?

Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als ich jede Mimik, jede Gestik, jede Körperhaltung, die Stimmlage und die Wortwahl unserer damals an Magersucht erkrankten Tochter aufgesogen habe. Ich habe jede Regung, jeden Ton wahrgenommen. Ob ich wollte oder nicht. Mir entging nichts. Schon morgens habe ich meine „Antennen“ ausgefahren. Vier meiner Fünf Sinne waren stets in Alarmbereitschaft. Sobald sie in meiner Nähe war konnte ich sie sozusagen „lesen“. Ich nahm mit meinen Sinnesorganen die Reize, die mir gesandt wurden auf und wandelte sie blitzschnell in meine eigene Interpretation um. Natürlich folgte dann meine eigene Bewertung dessen, was ich aufgenommen hatte. Das veranlasste mich dann zu entsprechenden Handlungen. Ich bin mir sicher, dass Du Dich hier auch wiedererkennst, oder? Doch, warum ist das so?

Mütter und Töchter haben eine besondere Verbindung

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es mehrere Gründe, warum die Verbindung von Mutter und Tochter so besonders ist.

Es gibt eine starke biologische, hormonelle und genetische Verbindung zwischen Mutter und Tochter. Dies führt dazu, dass sie sich nahezu auf einer intuitiven Ebene verstehen und miteinander verbunden sind.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist oft eine der längsten und engsten Beziehungen, die wir Menschen aufbauen. Durch gemeinsame Erfahrungen, Herausforderungen und auch Erinnerungen besteht eine starke Bindung zwischen beiden.

Mütter sind oft die wichtigsten Rollenvorbilder für ihre Töchter. Sie lernen von ihren Müttern, wie sie als Frau im Leben zurechtkommen können und was es bedeutet, eine gute Mutter zu sein. Diese Lernprozesse können weit über die Kindheit hinausreichen.

Mütter und Töchter unterstützen sich in der Regel gegenseitig durch alle Herausforderungen des Lebens. Diese Unterstützung und Verbundenheit geschieht auf emotionaler Ebene. Sie kann empfunden und aufgebaut werden, selbst wenn sich beide zeitlich und räumlich voneinander entfernen.

Insgesamt ist die energetische Verbindung zwischen Mutter und Tochter somit eine Kombination aus biologischen, sozialen und emotionalen Faktoren, die eine tiefe und besondere Beziehung schaffen.

Mein Anteil an der Magersucht

Wenn wir nun verstehen, dass die energetische Mutter-Tochter Verbindung durch biologische, soziale und emotionale Faktoren geprägt ist, wird schnell klar, dass in den allermeisten Fällen die Mutter „ihren“ Anteil an der Magersucht ihrer Tochter hat. Alle Mütter wollen nur das Beste für ihr Kind. Sie geben jederzeit 100% ihrer zur Verfügung stehenden Kraft und Energie um für ihre Tochter „zu sorgen“. Sie soll es gut haben, ihr soll es an nichts fehlen, sie soll eine gute schulische Bildung erhalten, sie soll sich sozial integrieren, gute sportliche Leistungen abliefern, künstlerisch und musisch gefördert werden. Wir Mütter beginnen schon direkt nach der Geburt unserer Tochter damit für sie zu entscheiden, was richtig und was falsch für sie ist. Wir entscheiden bereits in der Entbindungsklinik wieviel Nähe und Liebe wir unserer Tochter geben, ohne auf die Signale des Babys zu achten. Ich habe vor 25 Jahren gelernt, dass Säuglinge in ihrem eigenen Bettchen schlafen sollen. Dass es nicht gut ist Babys im Ehebett übernachten zu lassen, weil „man sie sonst nicht mehr los wird“. Puuh, da stellen sich mir heute noch die Nackenhaare auf.  Wenn das Baby dann nicht schlafen wollte und schrie und weinte folgte Schritt 2. Es hieß damals: Jedes Kind kann schlafen lernen. Ein sehr populäres Buch beschrieb, dass man das Baby schreien lassen soll und nach einem festen Zeitplan bestimmte Handlungen durchführen sollte.  Am Ende war das Baby so fertig, dass es vor Erschöpfung eingeschlafen ist oder der Mutter brach es das Herz. Sie folgte ihrem Instinkt und nahm ihr Baby an sich. Mit dem Ergebnis, dass der Plan vom Schlafenlernen gescheitert ist und die Mutter sich als Versagerin gefühlt hat. Das war übrigens meine Rolle damals. Hätte ich damals auf die Signale meines Babys und auf mein Herz gehört, hätte ich sie genommen und meine Nähe spüren lassen. Hätte ihr Liebe und Schutz gegeben und sie wäre schnell eingeschlafen.

Auch wir Mütter haben Mütter

Ich wurde damals sehr von meiner Mutter unterstützt. Sie hatte viele Tipps und Ratschläge für mich. Ihrer Meinung nach sollte unsere Tochter unbedingt in ihrem Bettchen schlafen. Ich hatte eine sehr enge Verbindung zu meiner Mutter und war stets dankbar für jede Art von Hilfe. Mein Umgang mit unserer Tochter war geprägt von der Energie meiner Mutter und diese hat durch die „energetische Brille“ ihrer Mutter geschaut und diese durch die Brille ihrer Mutter und so weiter. Ich möchte anhand dieses kleinen Beispiels verdeutlichen wie sehr wir mit unseren Müttern verbunden sind und wie sie durch uns wirken. Ob wir wollen oder nicht. Und das ist der Punkt.

Wir sehen immer durch unseren eigenen Filter auf die Dinge

Alle unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse hinterlassen einen energetischen Abdruck in uns. Den „energetischen Fingerprint“. Dieser „energetische Fingerprint“ ist sozusagen der Filter durch den wir die Welt wahrnehmen. Die Brille durch die wir wahrnehmen und bewerten. Die Brille, die unsere Wahrheit konstruiert. Die Brille, die nur unsere Wahrheit wahrnehmen kann, weil uns nur unsere eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse zur Verfügung stehen. Jeder Mensch verfügt über eine eigene Brille. Jeder Mensch sieht und kommuniziert durch seinen eigenen Filter. Wir Mütter wollen zu jeder Zeit das Beste für unsere Tochter und entscheiden aufgrund unseres Filters, was das Beste für sie ist. Wir kommunizieren, entscheiden und handeln durch unseren Filter und sorgen unbewusst dafür, dass unsere Tochter unseren „energetischen Fingerprint“ übernimmt.

Schon im Mutterleib machen wir Erfahrungen

Unser „Erfahrungsschatz“ beginnt bereits vor der Geburt. Schon ein Embryo im Mutterleib nimmt mütterliche Energien sensorisch auf und speichert sie in seinen Zellen ab. Zu diesem Zeitpunkt beginnt sich sozusagen der „energetische Fingerabdruck“ zu bilden. Der eigene Filter, die eigene Brille entsteht. Dieser Prozess endet nie, weil in jeder Sekunde unseres Lebens neue Erfahrungen dazukommen. Schnell kommt es zu einer „Vermischung“ der mütterlichen und kindlichen „Prints“, besonders bei Mutter und Tochter, die ja sehr eng miteinander verbunden sind. Die Tochter kann nicht mehr ihre eigene tiefe Wahrheit von der Wahrheit der Mutter unterscheiden. Die Filter liegen übereinander und verzerren das Bild der Tochter. Sie kann ihre eigene Wahrheit, die Wahrheit ihrer Seele nicht wahrnehmen und lässt sich immer wieder auf den Filter ein, der nicht ihr eigener ist. Sie ist nicht in der Lage ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen. Sie ist nicht in der Lage auf ihr Herz, ihre Seele zu hören. Es entsteht ein großer Schmerz, der nicht gefühlt werden will und nur durch Kompensation scheinbar betäubt werden kann. Eine mögliche Art der Kompensation ist die Essstörung.

Auf diese Art und Weise haben wir Mütter einen Anteil an der Magersucht unserer Tochter

Durch unsere besondere energetische Verbindung sind wir sehr mit unserer Tochter UND der Essstörung verbunden. Wir befinden uns sehr schnell in einer gemeinsamen „Blase“ einem „Kokon“. Die Energie in dieser Blase ist von einer gegenseitigen Abhängigkeit geprägt und macht es uns Müttern sehr schwer diese Einheit zu verlassen. Sobald wir versuchen nur einen Fuß herauszustrecken werden wir mit aller Macht von unserem Kind zurückgezogen. Jeder Versuch wird mit einem „kraftvolleren“ Manöver des Zurückziehens quittiert. Die Situation wird für uns Mütter unbeherrschbar und wirkt sich unvergleichbar auf unser Wohlbefinden aus. Doch warum können wir Mütter uns so schwer von unserer Tochter lösen? Darüber werde ich in meinem nächsten Beitrag schreiben.

Von Herzen Danke, dass Du diesen Artikel gelesen hast. Vielleicht hast Du Fragen, die Dich selbst betreffen oder meine Arbeit. Du kannst mich über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion anschreiben oder meine Kanäle auf Social Media nutzen. Ich freue mich über jede Nachricht.

Herzlichst

Michaela

 

 

 

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