Die Magersucht ist nicht grundlos in Deinem Leben

Auf meinem langen Weg als Mutter einer an Magersucht erkrankten Tochter habe ich gelernt, dass nichts, aber auch wirklich rein gar nichts in unserem Leben ohne Grund da ist. Alles, was uns geschieht, alle Menschen, mit denen wir es zu tun haben, unser Wohnort, unser Beruf, die Bücher, die wir lesen, unsere Hobbys, die Geschäfte, die wir betreten, unsere Krankheiten, selbst die Werbung, die uns online gezeigt wird hat einen Grund. Selbst die tiefsten und dunkelsten Krisen und  auch die glücklichsten Zeiten. Einfach alles hat nur einen Grund, warum es sich in unserem Leben befindet. Alles dient unserer Entwicklung, unserem Wachstum. Wir Menschen sind auf dieser Erde damit wir uns durch Erfahrungen weiterentwickeln und erkennen wer wir wirklich sind. Wir werden immer wieder vom Leben geprüft oder besser gesagt überprüft, ob wir uns auf dem richtigen Pfad befinden. Auf dem Pfad zu uns selbst.

Anfangs sind wir pures Glück

Wir Menschen erblicken das Licht der Welt in einem Zustand des puren Glücks und der Freude. Wir sind randvoll gefüllt mit Urvertrauen und Liebe. In der ersten Lebenszeit müssen wir nichts dafür tun, um von unserer Mutter geliebt zu werden. Wir werden getragen, gekuschelt und gefüttert. Wir müssen nichts dafür tun, wir dürfen einfach nur sein. Doch schon bald ändert sich dieser Zustand durch äußere Einflüsse. Unsere Eltern, Erzieher und Lehrer haben Erwartungen an uns. Sie sagen oder zeigen uns wie wir zu sein haben damit wir geliebt werden. Sie alle lassen uns spüren, ob wir gut genug sind, um wirklich geliebt zu werden. Da Anerkennung und Liebe, die Gefühle sind, nach denen die Menschheit strebt ist es nicht verwunderlich, dass wir uns im Laufe unseres Lebens dafür verbiegen. Wir passen uns an, richten uns nach Anderen und  überschreiten unsere eigenen Grenzen. Gerade wir Mütter wollen es allen Recht machen. Durch unsere Rollen als Ehefrau, Mutter, Geliebte, berufstätige Frau, Tochter, Sportlerin u.a. springen wir ständig von einer Rolle in die nächste. Die Grenzen verschwimmen und wir merken nicht mehr wie anpassungsfähig wir geworden sind. Der Wunsch nach Liebe und Anerkennung von Anderen ist so groß, dass wir über unsere körperliche Belastbarkeit gehen. Und selbst das bemerken wir erst, wenn es fast zu spät ist.

In der Stille liegt die Wahrheit

Der Wunsch anderen zu gefallen, hindert uns daran zu erkennen, was wir wirklich möchten. Was unsere Seele möchte. Wir modernen Mütter haben wenig Zeit für Innenschau. Wir sind so beschäftigt, dass das echte Fühlen uns abhanden gekommen ist. Vielleicht trauen wir uns auch nicht, uns die Zeit dafür zu nehmen, weil wir wissen, dass die Stille die Wahrheit spricht. Solange wir beschäftigt sind ist unser Fokus darauf gerichtet, was wir gerade tun oder noch tun müssen. Unsere Gedanken und Gefühle sind nach außen gerichtet……und kommen nicht zur Ruhe. Doch wie konnte es so weit kommen? Ich bin mir sicher, dass Du diesen Wunsch nach Liebe und Anerkennung bereits aus Deiner eigenen Kindheit kennst. Mutter und Vater hatten schon früh Erwartungen an Dich, denen Du gerecht werden wolltest. Du hast dem entsprochen und Deine Herzenswünsche dabei aus den Augen verloren. Viele Frauen leben das Leben ihrer Eltern, weil sie nichts anderes kennen. Den meisten ist es nicht bewußt, weil sie nicht wissen, was sie wirklich wollen. Sie überschreiten ihre eigenen Grenzen und leiden still, ohne zu wissen, dass sie leiden.

Es gibt Jemanden, der Dein Leiden vor Dir spürt

Unsere Kinder haben sehr feine „Fühler“. Sie können uns „lesen“. Sie wissen immer wie es uns geht. Sie spüren unseren Schmerz. Sie sehen, dass wir uns nur betäuben. Sie spüren aber auch die Erwartungen, die wir an sie haben. Die Erwartungen, die sie dazu auffordern sich zu verbiegen und einem anderen vorgegebenen Bild zu entsprechen. Dem Bild, dass vielleicht schon unsere eigene Mutter oder Vater von uns hatte. Ohne es zu wollen drängen wir unser Kind in Rollen hinein, die ihm nicht entsprechen. Rollen, die es möglicherweise sogar ablehnt. Die allerwenigsten Kinder schaffen es ihrem Seelenweg zu folgen. Sich aus den Fängen der Herkunftsfamilie zu befreien und dem Ruf ihres Herzens zu folgen. Die elterlichen Vorbilder versuchen sie immer wieder auf den „richtigen Weg“ zu bringen. Meistens bedarf es dafür noch nicht einmal Worte. Besonders empathische und angepasste Kinder wollen ihre Eltern nicht enttäuschen, weil sie dieses Gefühl nicht aushalten können. Doch irgendwann wird es zu schmerzhaft den Ruf ihrer Seele zu überhören, sodass sie eine Art der Kompensation finden.

Die Essstörung kommt in die Familie

Durch den Fokus auf den eigenen Körper, das Gewicht und das Essen bzw. die Verweigerung des Essens lässt sich dieser Schmerz betäuben. Die Essstörung übernimmt die gleiche Funktion, die der Kompensation der Mutter gleicht. Beide gehen über ihre Grenzen, beide wollen gesehen werden, beide wollen Liebe, beide wollen tief im Herzen nur SEIN. In den meisten Fällen hat die Mutter durch die Essstörung ihrer Tochter ein weiteres Beschäftigungsfeld gefunden. Das Kind hat anfangs dadurch eine Möglichkeit gefunden gesehen zu werden. Es wird zum Mittelpunkt in der Familie und führt das scheinbar geordnete Familienleben ins Chaos. Die Essstörung übernimmt die Führung und somit die Hauptrolle in der Familie. Jeder fokussiert sich auf die erkrankte Tochter und all das, was mit ihrer Erkrankung in Verbindung steht. Nichts ist mehr wichtig, nichts und Niemand hat annähernd den Stellenwert, den die Magersucht sich erobert hat.

Die Funktion der Magersucht

Die Magersucht der Tochter erfüllt eine bestimmte Funktion innerhalb der Familie.  Durch sie werden plötzlich lange unterdrückte Themen sichtbar. Beziehungsprobleme der Eltern, Themen und Blockaden der Eltern oder Kindheitstrauma, die plötzlich wahrgenommen werden wollen. Es braucht einige Zeit, manchmal Jahre, bis sich jemand traut wirklich hinzusehen. Die Magersucht bleibt beständig in ihrer Funktion, solange, bis die Probleme in ihrer Tiefe behoben sind. In vielen Fällen kommen weitere Symptome dazu. Selbstverletzendes Verhalten, übermäßiger Bewegungsdrang, Medikamentenmissbrauch, Depressionen etc. Meistens ist es der unerträgliche Leidensdruck der Mutter, der sie dazu „zwingt“ genauer hinzusehen. Es sind erfahrungsgemäß auch die Mütter, die sich Hilfe und Unterstützung suchen, um die Ursachen für ihre Problematiken zu finden und zu bearbeiten. Je intensiver sie selbst an sich arbeiten, umso leichter kann die Tochter ihren Heilungsweg antreten………bis die Magersucht ihre Funktion verloren hat.


Von Herzen Danke, dass Du diesen Artikel gelesen hast. Vielleicht hast Du Fragen, die Dich selbst betreffen oder meine Arbeit. Du kannst mich über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion anschreiben oder meine Kanäle auf Social Media nutzen. Ich freue mich über jede Nachricht.


Herzlichst
Michaela

 

 

 

 

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Kommentare

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Kommentar von Sandra Schick-Howald

Liebe Michaela
Wieder einmal mehr….. es ist genauso, wie Du es schreibst. Es kommt mir vor, als würdest Du über uns berichten. Alles Liebe Sandra

Antwort von Michaela Pukrop

Liebe Sandra,

von Herzen gerne. Ich freue mich so sehr, dass Du Dich in meinen Beiträgen wiederfindest......und hoffentlich Impulse für Dich mitnehmen kannst.

Liebe Grüße

Michaela

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