Die 4. Phase der Krisenbewältigung bezogen auf die Magersucht Deiner Tochter


Veränderung


Diese Phase ist zu Beginn dadurch gekennzeichnet, dass wir nur aus tiefstem Schmerz und dem Gefühl der unerträglichen Ohnmacht eine leichte Bereitschaft verspüren etwas verändern zu müssen. Wir sind nur bereit dazu, weil der jetzige Zustand unerträglich für uns ist. Frei nach dem Motto:“ Friss oder stirb!“.  Wir sind noch nicht wirklich offen für Veränderung, erkennen aber, dass, wenn wir genauso weiter machen ein Fass ohne Boden auf uns wartet. Sozusagen ein „Schrecken ohne Ende“. An diesem Punkt sind alle Frauen, die sich bei mir melden. Manche sind schon sehr viele Jahre in der Krankheit verhaftet, einige erst seit 1 oder 2 Jahren. Doch eines haben alle gemeinsam.  

                                                                                
                              Sie können nicht mehr!!


Wir sind alle bis zum Erreichen der letzten Phase sehr starken emotionalen Schwankungen ausgesetzt. Starke Gefühle wie Angst, Wut, Trauer und Schuld drängen immer wieder an die Oberfläche. Sie wollen  gefühlt werden. Doch allein die Angst vor dem Fühlen dieser Emotionen ist extrem groß. Die Angst vor dem Schmerz, der durch das Fühlen dieser Emotionen entstehen könnte, lässt uns diese Gefühle verdrängen. Immer wieder und wieder. Der Körper befindet sich seit langer Zeit im Stresszustand. Er benötigt sehr viel Energie dafür, die wiederkehrenden Emotionen wegzudrücken. Normalerweise füllen wir unsere Energiereservoire durch Entspannung und Regeneration und schöne Erlebnisse wieder auf. Doch das ist in dieser Situation nicht möglich. Das Immunsystem kann nicht mehr gegenhalten und fährt runter. Infektionskrankheiten, Schmerzen, Erschöpfung und Depressionen entstehen. Für alle Mütter ein unerträglicher Zustand ohne Aussicht auf Besserung. Nun wird uns auch klar, dass wir in diesem „Zustand“ unserem Kind nicht mehr helfen können. Uns fehlt die Kraft unsere Tochter angemessen zu unterstützen. In vielen Fällen ist die gesamte familiäre Situation schwierig. Möglicherweise hängt die Beziehung zum Partner bereits am seidenen Faden. Wir Mütter mit einer an Anorexia nervosa erkrankten Tochter stellen uns immer hinten an. Erst kommen die Kinder und der Partner an die Reihe. Wenn für alle gesorgt ist sind wir dran. Aber wirklich erst dann.


Grundsätzlich mögen Menschen keine Veränderungen, es sei denn die Vorteile sind erkennbar


Bei meinen Klientinnen und auch bei mir damals, begann die Veränderung damit eine Entscheidung zu treffen. Und zwar die Entscheidung Hilfe anzunehmen. Die Entscheidung mutig zu sein, Scham zu überwinden, Angst zu überwinden und sich anzuvertrauen. Die Entscheidung ist der erste Schritt in die Veränderung. Der erste Schritt in die Selbstverantwortung und damit der erste Schritt die Opferrolle zu verlassen.  Die Bereitschaft sich von Jemandem begleiten zu lassen ist die Bereitschaft sich der eigenen Situation zu stellen. Das System öffnet sich für neue Sichtweisen, Denkweisen und Möglichkeiten mit der Angst umzugehen. Durch die Auseinandersetzung mit sich, dem eigenen Selbst und den darin verwurzelten Glaubenssätzen wird ein Prozess in Gang gesetzt, der zu Klarheit, Leichtigkeit und einer neuen Ordnung führt. Die Annahme der Situation und das Fühlen der Emotionen erlauben es uns den Schmerz loszulassen. Fast wie von selbst verändern sich unsere Gedanken, Emotionen und unser Handeln.


Wir sehen plötzlich mit anderen Augen auf die Essstörung unserer Tochter


Eine Begleitung erlaubt uns einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Sozusagen aus einer anderen Perspektive auf uns und unsere Rolle in der „Mutter Tochter“ Beziehung zu schauen. Wir verstehen, warum sie krank wurde und was das mit uns selbst zu tun hat. Viele neue Erkenntnisse öffnen uns die Augen. Wir lassen alte, gewohnte Verhaltensweisen los um leichter und befreiter mit uns und unserer Situation umgehen zu können. Für mich persönlich ist es ein wunderschönes Erlebnis, wenn die Frauen ihre „AHA Erlebnisse“ mit mir teilen.  Wenn ihre Augen wieder strahlen und ich spüre, dass ihr Herz sich wieder öffnet.


„Wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Lieben gut.“


Diese Erkenntnis hatte eine liebe Kundin. Sie durfte die wunderbare Erfahrung machen, dass sich wie von selbst ihre Tochter auf den Heilungsweg begeben hat. Die Tochter konnte nach vielen Jahren in der Magersucht endlich die Entscheidung treffen gesund zu werden, nachdem die Mutter sie losgelassen hat. Die Beziehung zu ihrem Partner entwickelt sich auf ein neues Niveau und sie hat beruflich ein besseres Standing. Die meisten Frauen haben mich während einer längeren Arbeitsunfähigkeit kontaktiert und konnten schon nach einiger Zeit wieder in ihren Beruf zurückkehren. Einige waren plötzlich mutig genug sich beruflich zu verändern. Haben verantwortungsvollere Tätigkeiten übernommen. Oder sich auf eine neue Stelle beworben. Andere haben erkannt, dass sie ihre Führungsposition eigentlich gar nicht wollen und haben sich in eine andere Richtung orientiert. In alle Familien ist Harmonie und Freude eingezogen und das Beziehungsgefüge hat sich zum Positiven verändert.


Alles beginnt bei mir!


Das war damals meine größte Erkenntnis. Wenn ich etwas verändert haben möchte muss ich bei mir anfangen. Ich darf zuerst bei mir hinschauen und selbstverantwortlich handeln. Ich darf die Entscheidung treffen wie wichtig es MIR ist etwas zu verändern. Und wenn es MIR wichtig ist, muss ICH in die Handlung gehen. Ja, ehrlich bei mir war es auch nicht einfach. Ich habe mich damals auch mehrmals im Kreis gedreht. Ich hatte auch Angst. Ich war es mir nicht wert Geld für mich auszugeben. Schon gar nicht für eine Leistung, von der ich nicht wusste ob es mir überhaupt etwas bringen würde. Geldzurückgarantie gab es damals schon nicht. Und, was ist, wenn ich mit diesem Coach nicht auf einer Wellenlänge bin? Und, und, und. Ausreden über Ausreden. Mein Unterbewusstsein hat mich gewarnt (vor Veränderung), mein Verstand hat Ausreden erfunden. Das ging so lange bis es mir und meiner Tochter so schlecht ging, dass ich gar nichts mehr konnte. So begann meine Reise.


Was ist das Gute daran?


In jedem Drama steckt ein verpacktes Geschenk. Ich habe mehrere Geschenke „auspacken“ dürfen. Großartige, wundervolle und magische Geschenke. Geschenke für mich, meine Tochter und unsere ganze Familie. Doch die verpackten Geschenke können wir erst nach der Veränderung auspacken. Denn erst dann können wir sie auch erkennen. Dann sind wir erst offen und bereit dafür.
Im nächsten Beitrag geht es weiter mit „Alles beginnt bei mir!“ Ich erzähle Dir mehr über mich und meinen Weg. Sei schon jetzt gespannt und schau gerne wieder auf meinem Blog vorbei.

Von Herzen Danke, dass Du diesen Artikel gelesen hast. Vielleicht hast Du Fragen, die Dich selbst betreffen oder meine Arbeit. Du kannst mich über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion anschreiben oder meine Kanäle auf Social Media nutzen. Ich freue mich über jede Nachricht.
Herzlichst
Michaela

 

 

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Kommentare

Ich freue mich auf eure Kommentare, eigene Erfahrungen und eventuelle Fragen!

Kommentar von Volker

Spannend zu lesen und als Mann auch mal die Sichtweise der Frau zu erfahren.

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