"Dein Kind muss gesund werden wollen..."

Eine Wahrheit, die mich damals fast zerrissen hätte!

Wenn Du gerade mitten in der Magersucht Deiner Tochter steckst, dann möchte ich Dir zuerst eines sagen:
Ich weiß genau, wie sich das anfühlt.
Nicht aus einem Buch oder aus einer Ausbildung.
Sondern, weil ich selbst dort war. Mit zwei Töchtern.
Ich weiß, wie es ist, morgens mit Angst aufzuwachen.
Noch bevor die Augen richtig offen sind. Ich weiß, wie es sich anfühlt, ständig angespannt zu sein, immer zu beobachten.
Immer zu kontrollieren und sich in ständiger Bereitschaft zu befinden jederzeit eingreifen zu müssen.
Ich weiß, wie sehr man leidet, wenn die eigene geliebte Tochter sich immer weiter zurückzieht und man plötzlich das Gefühl hat, sie nicht mehr erreichen zu können. Und ich weiß auch, wie unglaublich hilflos man sich fühlt, wenn man alles gibt.  Und trotzdem nichts besser wird.

Denn genauso war es bei uns

Die Essstörung hat nicht nur unsere Töchter verändert, sondern auch unser ganzes Familienleben. Früher wurde gelacht. Es war leicht. Und irgendwann drehte sich plötzlich alles nur noch um Essen, Kalorien, Stimmungsschwankungen und Angst.
Wir lebten wie auf einem Pulverfass.
Ich wusste morgens nie, was uns an diesem Tag erwartet. Ob Streit entsteht, ob gegessen wird, oder wieder Tränen fließen. Und gleichzeitig habe ich funktioniert. Vielleicht kennst Du das auch. Nach außen versucht man stark zu sein. Doch innerlich zerbricht man Stück für Stück.
Ich habe alles versucht
Ich habe damals geglaubt, ich müsste meine Töchter nur genug lieben, genug unterstützen und genug kämpfen, dann würden sie gesund werden.
Also habe ich alles gegeben. Meine ganze Energie und Aufmerksamkeit.
Mein ganzes Leben. Ich war permanent im Alarmzustand. Immer darauf bedacht, was sie essen könnten oder was sie triggern könnte.
Wie ich Streit vermeiden könnte und gleichzeitig ein harmonisches Familienleben gestalten kann. Harmonie war für mich so unglaublich wichtig.
Und ganz ehrlich?

Ich habe mich dabei selbst komplett verloren. Ich habe nicht nur meine Töchter retten wollen, sondern auch dieses unerträgliche Gefühl in mir selbst nicht mehr fühlen wollen. Diese Angst und Ohnmacht.
Diesen ständigen Schmerz in mir.

Die schmerzhafteste Erkenntnis meines Lebens

Irgendwann musste ich erkennen, dass ich mein Kind nicht heilen kann.
So hart dieser Satz auch ist. Denn wirkliche Heilung passiert niemals unter Druck. Niemals durch Kontrolle und Zwang.
Und auch nicht dadurch, dass wir Mütter uns komplett aufopfern.
Ich weiß noch genau, wie weh diese Erkenntnis getan hat. Denn ich hätte damals alles getan, damit unsere Töchter gesund werden. Wirklich alles. Doch Heilung beginnt erst dann, wenn ein Mensch selbst bereit dafür ist. Wenn dieses ehrliche innere JA entsteht. Nicht das: „Ja Mama, ich versuche es.“ Sondern ein echtes:
„Ich möchte leben! Ich möchte gesund werden!“
Und genau das können wir nicht erzwingen. So sehr wir auch leiden.
Was ich damals überhaupt nicht verstehen konnte.

Heute weiß ich etwas, das ich damals niemals hätte glauben können

Die Magersucht unserer Töchter hatte auch mit mir zu tun. Nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne von Spiegelung. Ich durfte erkennen, dass auch ich nicht wirklich frei war. Auch ich lebte im Funktionieren. Auch ich kontrollierte viel. Ja, auch ich hatte mich selbst verloren. Und genau das hat meine Tochter mir gespiegelt.
Als ich begann, meinen eigenen Weg zu gehen, veränderte sich plötzlich etwas zwischen uns. Nicht, weil ich meine Töchter verändert habe, sondern weil ich mich verändert habe.

Der Wendepunkt begann bei mir

Ich begann hinzuschauen. Auf meine Ängste. Ich schaute meine Muster an und erkannte
meine alten Verletzungen. und meine ständige Anspannung.
Stück für Stück begann ich loszulassen.
Den Kampf. Die Kontrolle. Den Druck.
Das war kein leichter Weg. Aber es war der wichtigste Weg meines Lebens.
Denn je mehr ich heilte, umso ruhiger wurde auch unser Familiensystem.
Und irgendwann kam der Moment, in dem ich meinen Töchtern wirklich vertrauen konnte.
Nicht kontrolliert vertrauen. Nicht „hoffentlich wird alles gut“. Sondern echtes Vertrauen.
Und genau ab diesem Moment begann sich auch bei ihnen etwas zu verändern.
Langsam. Jede in ihrem Tempo.
Mit Rückschritten und mit Fortschritten. So wie Heilung eben wirklich verläuft. In Wellen.

Warum ich das heute mit Dir teile

Weil ich weiß, wie allein man sich als Mutter fühlt. Und weil ich weiß, wie sehr man sich jemanden wünscht, der wirklich versteht, wie sich das alles anfühlt. Jemanden, der diesen Weg selbst gegangen ist.
Genau deshalb begleite ich heute Mütter mit einer an Magersucht erkrankten Tochter. Nicht von oben herab. Nicht mit leeren Floskeln. Sondern aus tiefstem Herzen.
Weil ich selbst erlebt habe, wie dunkel diese Zeit sein kann.
Und weil ich heute weiß: Heilung beginnt oft genau dort, wo wir Mütter anfangen, uns selbst wiederzufinden. Dort beginnt Veränderung, Frieden und Vertrauen.
Und meistens beginnt genau dort auch die Heilung unseres Kindes.

Von Herzen Danke, dass Du diesen Artikel gelesen hast. Vielleicht hast Du Fragen, die Dich selbst betreffen oder meine Arbeit. Vielleicht brauchst Du Unterstützung bei der Umsetzung. Du kannst mich über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion anschreiben oder meine Kanäle auf Social Media nutzen. Ich freue mich über jede Nachricht.


Herzlichst
Michaela

 

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